Bei der Gestaltung eines Plakats, Kundenstoppers, Flyers oder eines anderen Printproduktes kann vieles schiefgehen, wenn einige Grundlagen nicht beachtet werden.

Nicht nur die grafische Gestaltung von Printprodukten erfordert einige Regeln. Auch bei der Typografie gibt es immer wieder Beispiele, die keine oder wenig Erfahrung in Bezug auf Printproduktgestaltung vermuten lässt.
Wir möchten Ihnen daher einige Grundlagen zum Thema Typografie mit auf den Weg geben.

 

Die Wahl der Schriftarten – weniger ist mehr

 

1 Weniger ist mehr

Für die Auswahl der verschiedenen Schriftarten gilt: Verwenden Sie nicht mehr als zwei verschiedene Schriftarten. Das Layout wird bei zu vielen verschiedenen Schriftarten schnell unübersichtlich oder unordentlich wirken. Zum Teil ist es für den Betrachter auch nicht angenehm zu lesen, wenn die Schriften ständig variieren.

Sollten Sie doch mehr als zwei Schriftarten verwenden, muss dies immer zum Kontext des Printproduktes passen. Gestalten Sie z.B. Partyflyer, dann können viele verschiedene Schriften den gewollten Effekt von Durcheinander und Aufdringlichkeit erzielen. Von daher sollte die Anzahl der Schriften immer zum Ziel des Printproduktes und der darauf enthaltenen Botschaft passen.

 

Die Kombination von Schriftarten

 

2 Kombination von Schriftarten

Bei der Kombination von Schriftarten ist die Erleichterung des Leseflusses und der Verständlichkeit für den Betrachter eines der Hauptziele. Durch eine gute Schriftmischung sowie einer guten Struktur des Textes fällt es dem Leser einfacher, den Text zu scannen und zu verstehen. Natürlich spielen auch ästhetische und kreative Ziele dabei eine große Rolle.

Vor allem wenn ein Plakat in einer Umgebung angebracht ist, in der viele Menschen nur vorbeifahren, muss der Text schnell quergelesen werden können. Daher sind Sinnabschnitte und Aufteilungen wichtig bei der Gestaltung.

Wichtig ist, dass ähnliche Stile miteinander kombiniert werden. Dies bedeutet, dass Schriften aus einer Schriftfamilie (z.B. Palatino oder Stone Schriftart in unterschiedlichen Ausführungen) gut miteinander kombinierbar sind. Auch westernähnliche Schriften können gut miteinander harmonieren, da der Stil ähnlich bleibt.

Auch hier gilt wieder: Kombinieren Sie möglichst nicht mehr als zwei verschiedene Schriften miteinander. Es reicht völlig aus, einen Text mit zwei Schriften übersichtlich zu strukturieren. Es ist sinnvoll, dass Sie die verschiedenen Schriftklassifikationen kennen, um zu wissen, welche Schriftarten gut zusammenpassen und welche nicht. Generell gilt:

  • Runde und gebrochene Stile harmonieren gut miteinander (aus einer Stilepoche)
  • Schriften aus einer Familie lassen sich gut kombinieren
  • Klassizistische-Antiqua Schrift funktioniert gut mit englischer Schreibschrift zusammen
  • Serifenschriften harmonieren mit serifenlosen Schriften

Was nicht gut zusammenpasst:

  • Rennaissance-Antiqua Schriften mit Klassizistischer Schrift harmonieren nicht
  • Frakturschriften untereinander funktionieren nicht
  • Barock-Antiqua Schriften passen nicht zu Englischer Schreibschrift
  • Klassizistische Schriften untereinander passen nicht zusammen

 

Schriften rufen Assoziationen hervor

 

3 Verbindungen Schriften

Eine Schriftart erzählt immer auch eine Geschichte. Wenn Sie sich z. B. die Schriftart „Playbill“ ansehen, werden Sie unbewusst an Western oder Cowboys denken. Times hingegen steht eher für Seriosität, Printbereich oder Zeitungen.

Daher ist es wichtig, das Image einer jeden Schrift zu kennen und zu wissen, wofür sie steht. Meistens wird eine bestimmte Epoche, Stilrichtung oder ein Image mit einer Schriftart verkörpert. Comic Sans z. B. spricht eher Kinder an und wird nicht auf seriösen Printprodukten verwendet.

 

Die richtige Schriftgröße wählen

 

4 Richtige Schriftgröße

Auch für die Schriftgröße gilt wieder: Weniger ist mehr. Wenn Sie mehr als zwei Schriftarten und alle in verschiedenen Größen verwenden, wird Ihr Layout sehr unübersichtlich und durcheinander wirken. Die Lesemotivation wird sich dadurch verringern. Klare Zusammenhänge müssen für den Leser erkennbar sein. Es reichen oftmals schon zwei verschiedene Schriftgrößen aus.

Eine einheitliche Größe der Optik von zwei verschiedenen Schriftarten ist wichtig. Wenn Sie z. B. eine Arial und eine Times miteinander kombinieren, sollten beide Schriften optisch einheitlich groß sein. Damit ist gemeint, dass sie nebeneinander gleich groß wirken und nicht, dass beide die gleiche Schriftgröße (z. B. 100 pt) erhalten. Da es nämlich unterschiedliche Schriftarten sind, werden sie auch unterschiedlich groß wirken, auch wenn sie dieselbe Schriftgröße einstellen.

Natürlich ist die Schriftgröße von weiteren Faktoren wie z. B. des Werbeträgers (Flyer, Kundenstopper etc.), der Zielgruppe die angesprochen werden soll und der Lesbarkeit abhängig. Vor allem bei Plakaten muss die Schrift schon aus weiterer Entfernung lesbar sein und dementsprechend groß muss der Text gewählt werden. Wenn Sie überwiegend ältere Menschen ansprechen, macht eine größere Schrift mehr Sinn, als eine kleinere.

Bei Plakaten gilt z. B. der Richtwert ab 60 pt aufwärts für die Schriftgröße, bei Flyern liegt er bei 9 bis 14 pt.

 

Auszeichnungen bei Schriften

 

5 Auszeichnungen

Unter Schriftauszeichnungen versteht man das Hervorheben von Textabschnitten oder Wörtern. Dabei gibt es eine grundsätzliche Regel: Gehen Sie mit Auszeichnungen sparsam um. Zu viele Hervorhebungen stören den Lesefluss enorm.

Auszeichnungen können Sie auf verschiedene Arten vornehmen: Sie können ein Wort oder einen Abschnitt fett oder kursiv hervorheben. Hierbei ist zu beachten, nicht die in dem Schreibprogramm zur Verfügung stehende Funktion „kursiv“ oder „fett“ zu wählen, sondern wenn möglich, die entsprechenden Schriftschnitte der jeweiligen Schriftart. Diese finden Sie z. B. im Wordprogramm neben der Schriftart zur Auswahl. Das Ergebnis mit Schriftschnitten ist einfach schöner, da diese genau auf die jeweilige Grundschrift abgestimmt sind.

Arten von Auszeichnungen sind die aktive Auszeichnung, die integrierte, die negative, die Farbauszeichnung und die gesperrte Auszeichnung.

  • Unter die aktive Auszeichnung fallen Hervorhebungen in Form von fettmarkiert, Versalien oder andere Schriftarten. Sie sind aktiv, da sie noch vor dem Lesen des Textes direkt ins Auge fallen.
  • Integrierte Auszeichnungen werden erst dann vom Betrachter bemerkt, wenn er an der hervorgehobenen Textstelle angelangt ist. Sie sind also eher unauffällig. Diese Hervorhebung kann mit Kapitälchen oder dem Kursivstil umgesetzt werden. Diese Auszeichnung führt aber häufig zu schlechterer Lesbarkeit, deshalb sollten nur kurze Textpassagen oder einzelne Wörter damit hervorgehoben werden.
  • Bei der negativen Auszeichnung wird quasi das Gegenteil von der aktiven Auszeichnung gemacht: Der gesamte Text wird fett markiert und die Hervorhebung erfolgt durch einen mageren Schriftstil, also keine Fettmarkierung.
  • Die Farbauszeichnung erfolgt mittels der Verwendung einer anderen Farbe im Text. Dies wird auf Plakaten häufig verwendet. Es sollten nicht zu viele verschiedene Farben benutzt werden, sonst ist der Hervorhebungseffekt schnell vorbei.
  • Der Text kann auch durch Sperren hervorgehoben werden. Hierunter versteht man das Vergrößern der Abstände zwischen den Buchstaben eines Wortes durch Leerzeichen. Im Printbereich wird Sperren häufig für eine zurückhaltende Hervorhebung von Texten verwendet.

 

Fazit

Mit der Beachtung dieser Grundlagen und dem Aneignen wichtiger Typografie-Fachbegriffe ist es möglich, mit wenig Aufwand ein gutes und professionelles Layout für Printprodukte zu gestalten. Natürlich hängt das Layout auch immer vom Kontext des Printproduktes und der Zielgruppe ab, die Sie damit ansprechen wollen. Grundlagen und Regeln sind wichtig, aber in manchen Fällen können sie auch gebrochen werden und führen trotzdem zum gewünschten Erfolg. Wenn Sie neben der typografischen Gestaltung noch nach Tipps für die grafische Gestaltung eines Plakates suchen, können Sie diesen weiteren Artikel von uns lesen.